Die Ausländer-Debatte
„Multi-Kulti ist gescheitert“
Interview mit dem Historiker Prof. Arnulf Baring
Von NICOLAUS FEST
Die Gewalt-Exzesse an unseren Hauptschulen haben die Debatte um Ausländer
in Deutschland angeheizt! Was ist schiefgelaufen bei der Integration?
Warum wollen so viele Ausländer nicht Deutsch sprechen? Warum hat
der Staat so versagt? In BILD spricht Professor Arnulf Baring Klartext.
Was Deutschlands klügster Kopf zum Thema Ausländer sagt.
BILD:
Professor Baring, Gewaltverbrechen, Asyl- und Sozialabzocke, Drogenkriminalität
oder Ausschreitungen an Schulen: Die Ausländer-Politik ist in den
Schlagzeilen. Und viele Deutsche fragen sich: Sind wir nur noch die
Dummen?
Prof. Arnulf Baring:
Die Vorgänge an der Rütli-Schule zeigen, daß die außerordentlich
freundliche Aufnahme- und Zuzugspraxis ein Fehler war. Wenn in Deutschland
lebende Ausländer oder deren Kinder für ihr Gastland nur noch
Verachtung äußern und Deutsche als „Hurentöchter“
oder „Schweinefleischfresser“ beschimpfen, ist eines klar:
Multi-Kulti ist gescheitert – weil die Ausländer die deutsche
Kultur neben ihrer eigenen nicht akzeptieren oder auch nur dulden wollen.
Das war allerdings schon seit Jahren abzusehen, wurde aber bewußt
verschwiegen und kleingeredet. Nicht die Deutschen sind die Deppen,
sondern diejenigen Politiker und Gutmenschen, die sich jahrzehntelang
multikulturellen Träumen hingegeben haben.
BILD:
Was haben wir falsch gemacht?
Prof. Baring:
Leider sehr viel. Die Integration von Ausländern ist finanziell,
psychologisch und kulturell weitaus schwieriger, als es die Multikulti-Befürworter
lange wahrhaben wollten. Vor allem fehlte eine klare, an deutschen Interessen
ausgerichtete Einwanderungspolitik mit eindeutigen Grenzen für
den Nachzug von sozial bedürftigen Angehörigen.
BILD:
Welche Probleme sind daraus erwachsen?
Prof. Baring:
Anders als die USA, wo Zuwanderer spätestens in der dritten Generation
patriotische Amerikaner werden, zeigt sich bei uns gerade unter jungen
Leuten eine große Abschließungstendenz – eine frustrierte
Selbstghettoisierung ohne Deutschkenntnisse, perspektivenlos, gewaltbereit,
haßerfüllt.
BILD:
Wer ist schuld, die Ausländer oder wir?
Prof. Baring:
Da wir Deutschen ein geringes Selbstwertgefühl haben, wagten wir
lange nicht, von den Zuwanderern Integrationsanstrengungen zu verlangen.
Insofern haben wir Isolierungstendenz Vorschub geleitstet. Viele Politiker
hofften, „authentisch gebliebene“ Ausländer würden
Deutschland positiv aufmischen. „Ausländer, laßt uns
mit den Deutschen nicht allein!“ klingt mir als Demonstranten-Parole
noch heute in den Ohren.
BILD:
Welche Politiker haben die politischen Weichen falsch gestellt?
Prof. Baring:
Viele Politiker, aber auch Kirchenführer und gegen Tatsachen blinde
Gutmenschen haben das Problem fehlender Integration lange verharmlost,
manche haben es gar schöngeredet. Alle Lager haben die Integrationsgefahr
ignoriert, weithin tun sie das noch immer – sehr häufig wider
besseres Wissen. Wer Wahrheiten zu früh ausspricht, gerät
in Mißkredit, erlebt unter Umständen eine Welle der Empörung
– wie Jörg Schönbohm in den 90er Jahren, als er auf
die Gefahr der Ghettobildung hinwies.
BILD:
Dürfen wir Anpassung verlangen?
Prof. Baring:
Wir müssen energisch darauf hinarbeiten, daß Emigranten zu
Deutschen werden, also nicht nur unsere Sprache beherrschen, sondern
sich auch unsere Kultur, Geschichte und allgemeine Umgangsformen zu
eigen machen. Das ist weit mehr als multikulturelles Nebeneinanderherleben.
BILD:
Was müssen wir ändern?
Prof. Baring:
Was immer der Annäherung
dient, muß beherzt in die Tat umgesetzt werden. Und zwar auch
mit Druck. Also beispielsweise Kürzungsmöglichkeiten für
Sozialhilfe und Kindergeld oder Deutschtests mit Sanktionsmöglichkeiten.
Auch kann man die Frage stellen, ob der Einbürgerungsanspruch von
Ausländern nach acht Jahren Aufenthalt in Deutschland nicht einer
sehr weiten Ermessungsprüfung weichen sollte.
BILD:
Wieso gibt es fast ausschließlich Probleme mit Türken, Arabern,
Albanern und Rußlanddeutschen, nicht aber mit Einwanderern aus
anderen Ländern?
Prof. Baring:
Das hat möglicherweise mit der hohen Gewaltbereitschaft in diesen
Volksgruppen zu tun. Auch der politisch aufgeladene Islamismus spielt
eine verhängnisvolle Rolle, man denke nur an die unerträgliche,
nicht hinnehmbare Unterdrückung der Frauen.
BILD:
Ist es zu verantworten, noch mehr Ausländer hereinzuholen?
Prof. Baring:
Soweit es Problemgruppen betrifft: natürlich nicht.
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